Qualitätsstandards

Qualitätsstandards für Präventionsangebote


Die städtischen Fachbereiche Kinder, Jugend und Familie, Gesundheit, Bildung sowie Prävention haben Qualitätsstandards und -kriterien für Präventionsangebote entwickelt.

Diese Orientierungshilfe soll Nutzerinnen und Nutzern der Datenbank und Präventionsanbieterinnen und -anbietern dabei unterstützen, die Präventionsarbeit stadtweit zielgerichtet und wirksam zu gestalten.


Qualitätsstandards und -kriterien für Präventionsangebote

 

Bedarfsanalyse

Die Bedarfsanalyse wird dokumentiert und umfasst Risiko-und Schutzfaktoren sowie problematische Entwicklungen der Zielgruppe.

Die Situation im jeweiligen Sozialraum wird in der Bedarfsanalyse einbezogen (Datengrundlage: Sozialbericht, Bildungsbericht etc.).

 

Zieldefinition

Es werden Ziele festgelegt, die konkret, verständlich, erreichbar und überprüfbar sind.

Aus der Bedarfsanalyse werden die allgemeinen Präventionsziele abgeleitet, aus ihnen wiederum werden die konkreten Ziele des Präventionsangebotes abgeleitet.

Es wird ein Zeitrahmen festgelegt, in demdie Ziele des Präventionsangebotes erreicht werden sollen.

 

Zielgruppenanalyse

Es wird eine Zielgruppenanalyse durchgeführt, welche die Bedürfnisse der betroffenen Gruppe erfasst.

Die Zielgruppe des Präventionsangebotes wird hinsichtlich präzise bestimmt und beschrieben (bspw. Zusammensetzung, besondere Merkmale).

Es wird definiert, ob es sich um ein universell¹, selektiv² oder indiziert³ ausgerichtetes Präventionsangebot handelt.

Es werden die Bedarfslagen und Möglichkeiten der Zielgruppebei der Wahl des Präventionsangebotes berücksichtigt (bspw. Zielgenauigkeit und Niedrigschwelligkeit).

Die Diversität (Vielfalt) der Zielgruppe wird bei der Wahl und Umsetzung des Präventionsangebotes berücksichtigt, insbesondere kulturelle, geschlechtsspezifische und soziale Gruppenaspekte.

 

Gesamtstrategie

Das Präventionsangebot wird in eine präventive Gesamtstrategie eingebettet.

Es werden theoretische Argumente und empirische Befunde der aktuellen Forschung als Begründung in die Gesamtstrategie eingearbeitet.

Die Gesamtstrategie ist dokumentiert und umfasst alle relevanten Aspekte zur Begründung, Planung, Durchführung und Bewertung der Strategie.

Die Gesamtstrategie wird fortwährend hinsichtlich ihrer Zielerreichung überprüft und ggf. angepasst, so dass zielgerichtete Präventionsangebote wirksam implementiert und verstetigt werden.

 

Methodik

Die Auswahl der Methodik des Präventionsangebotes wird begründet und in ihrem Ablauf explizit beschrieben.

Es wird eine Methodik angewendet, die den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Bedarfender Zielgruppe entspricht.

Die Zielgruppe wird in wesentliche Fragen der Ausgestaltung des Präventionsangebots aktiv einbezogen und entscheidet mit.

In die methodische Umsetzung des Präventionsangebotes werden die Erkenntnisse der Verhältnisprävention⁴ und Verhaltensprävention⁵ einbezogen.

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren (Lehrkräfte, Eltern, Jugendleiter etc.) werden in die Ausgestaltung des Präventionsangebotes aktiv miteinbezogen.

 

Ressourcenanalyse

Es wird ein Ressourcenplan erstellt und Präventionsangebote und -maßnahmen werden so ausgewählt, dass sie durch personelle, fachliche, zeitliche und finanzielle Kapazitäten umgesetzt werden können.

Kosten und Nutzen sind zu analysieren, damit sie abgeschätzt und ein akzeptables Verhältnis von Kosten und Nutzen abgewogen werden kann.

Ressourcen und Kapazitäten der Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner werden berücksichtigt (finanziell, zeitlich, personell etc.).

Für eine Ressourcen schonende Umsetzung werden erfolgreich evaluierte (regionale) Präventionsangebote, bzw. Best Practices Modelle und Arbeitshilfen in die Planung einbezogen.

 

Vernetzte Zusammenarbeit

Das Präventionsangebot wird gemeinsam mit einem Netzwerk aus unterschiedlichen Akteurinnen und Aktuere umgesetzt.

Das Netzwerk erarbeitet gemeinsam Bedarfe, Ziele und Präventionsmaßnahmen.

Es wird auf regionale Wissensbestände der Präventionsarbeit zurückgegriffen (bspw. erfolgreiche regionale Präventionsangebote).

Die Netzwerkpartnerinnen und -partner ergänzen sich in ihren finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen und Kapazitäten.

 

Evaluation

Der Ablauf des Präventionsangebots wird dokumentiert und es wird überprüft, ob die Ziele und Zielgruppen erreicht werden.

Es werden Indikatoren (Hinweise, Indizien) bestimmt, anhand derer sich überprüfen lässt, ob und in welchem Maße die Präventionsziele und die Zielgruppen erreicht werden.

Es wird eine (Selbst-)Evaluation zur Umsetzung des Präventionsangebotes erstellt.

Es wird ein Endbericht angefertigt, der neben der Konzeption, die Ergebnisse der Umsetzung des Präventionsangebotes und eine Prozess- und Wirksamkeitsevaluation (bspw. Selbstevaluation) umfasst.

 


 

¹ Bsp.: Präventionsangebot richtet sich an die gesamte Schulklasse.

² Präventionsangebot richtet sich an einige bestimmte Schülerinnen und Schüler, die bestimmte Risikofaktoren ausweisen.

³ Präventionsangebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die bereits bestimmte problematische Entwicklungen aufweisen

⁴ Strukturelle Prävention: Minimierung der Risiken im Bereich der Lebensbedingungen(Familie, Schule etc.).

⁵ Individuelle Prävention: Minimierung individueller risikoreicher Verhaltensweisen und problematischen Entwicklungen.