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Handlungsempfehlungen für Fachkräfte an Schulen und in Kitas bei sexualisierter Gewalt an Kindern

Kategorisiert in: , Juli 6, 2020 11:00 am Handlungsempfehlungen für Fachkräfte an Schulen und in Kitas bei sexualisierter Gewalt an Kindern

Nach der langfristigen Schließung der Kitas und Schulen, kommen die Kinder und Jugendlichen wieder zurück in die Institutionen. Was diese nun auch brauchen ist eine Zeit des Erzählens und Zuhörens. Kinder und Jugendliche waren evtl. lange auf sich alleine gestellt und möglicherweise emotionaler, körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Seien Sie achtsam! Nicht nur sprachliche, vage Mitteilungen können ein Hinweis sein, sondern auch Veränderungen im Verhalten, wie Rückzug oder körperliche Symptome. Vertrauen Sie Ihrem „Bauchgefühl“ und nehmen Sie es ernst. Die Heranwachsenden brauchen Sie. Der Augsburger Kinderschutzbund und der Wildwasser Augsburg e.V. haben diesbezüglich eine Handlungsempfehlung entwickelt, die zur Orientierung im vermuteten und/oder konkreten Fall bei sexualisierter Gewalt dient. Wichtig ist hierbei festzuhalten, dass dieser jedoch keine Fachberatung ersetzt.

Ein Übergriff wird vermutet:
• Ruhe bewahren
• Gesprächsbereitschaft für das Kind/den Jugendlichen zeigen
• Dokumentation (zeitnah, detailliert und schriftlich)
• Information der Einrichtungsleitung (Vier-Augen-Prinzip)
• Kontaktaufnahme zur Insofern erfahrenen Fachkraft (IseF) bzw. Beratungsstelle nach § 8b SGB VIII und Fachberatungsstellen
• Vermutete/n Täter*in nicht konfrontieren
• Kriseninterventionsplan/Schutzkonzept Ihrer Einrichtung beachten!

Ein Übergriff wird an Sie als Fachkraft herangetragen
• Mitteilendem Kind/Jugendlichen Glauben schenken
• Ruhe bewahren, keine vorschnellen, nicht abgesprochenen Entscheidungen treffen
• Versprechen Sie dem betroffenen Kind/Jugendlichen nichts, was Sie nicht halten können. Z.B. Sie sagen es nicht weiter.
• Dokumentation (zeitnah, detailliert und schriftlich)
• Information der Einrichtungsleitung (Vier-Augen-Prinzip)
• Kontaktaufnahme zur Insofern erfahrenen Fachkraft (IseF) bzw. Beratungsstelle nach § 8b SGB VIII und Fachberatungsstellen
• Bleiben Sie Vertrauensperson
• Täter*in nicht konfrontieren
• In Deutschland gibt es keine polizeiliche Anzeigepflicht. Halten Sie Rücksprache mit Fachstellen.
• Kriseninterventionsplan/Schutzkonzept Ihrer Einrichtung beachten!

Sie beobachten einen Übergriff:
• Direkt eingreifen, Übergriff ruhig und bestimmt stoppen
• Erst dem betroffenen Kind/Jugendlichen zuwenden, dann der übergriffigen
Person
• Dokumentation (zeitnah, detailliert und schriftlich)
• Information der Einrichtungsleitung (Vier-Augen-Prinzip)
• Kontaktaufnahme zur Insofern erfahrenen Fachkraft (IseF) bzw. Beratungsstelle
nach § 8b SGB VIII und Fachberatungsstellen
• Krisenteam bilden: Schutz des Kindes/Jugendlichen herstellen
• Bei Mitarbeiter*innen arbeitsrechtliche Maßnahmen einleiten

Wichtig: Holen Sie sich Hilfe. Niemand kann den Kindern/Jugendlichen alleine helfen!
Wenden Sie sich an eine Fachberatungsstelle, die Ihnen hilft, Situationen richtig
einzuschätzen und professionell zu handeln.

Sollten Sie Bedarf an Fort- und Weiterbildungen zu den Themen: Basiswissen sexualisierte
Gewalt, Kompetenter Umgang in vermuteten Fällen, Gesprächsführung, Schutzkonzept, oder
ähnlichem haben, wenden Sie sich direkt an die Fachberatungsstellen.

   

 

 

Ihre Fachberatungsstellen:

Wildwasser Ausgburg e.V.
Schießgrabenstr. 2
86150 Augsburg
0821-154444
beratung@wildwasser-augsburg.de
wildwasser-augsburg.de

Anlaufstelle für Kinderschutz
Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Augsburg e.V.
Volkhartstr. 2
86152 Augsburg
0821-455406-21
anlaufstelle@kinderschutzbund-augsburg.de
kinderschutzbund-augsburg.de