Stalking

Das Gesetz zum strafrechtlichen Schutz von Stalking-Opfern ist am 31. März 2007 in Kraft getreten.
In § 238 des Strafgesetzbuches wurde Stalking als neuer Straftatbestand eingeführt. „Stalking ist keine Privatsache, sondern strafrechtliches Unrecht“ so Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in der Gesetzesnovelle. Bei polizeilicher Anzeige des wiederholten Nachstellens kann seither die Verurteilung des Täters schneller und effektiver erfolgen.

 


In der Beratungstätigkeit von Frauen, die Opfer von Stalking wurden, fällt deutlich auf, wie groß die Einsamkeit und das Gefühl der Verzweiflung bei den Betroffenen ist und wie sehr Frauen unter dem Gefühl leiden, „so etwas“ kann nur mir passieren.

„Ich bin die Einzige, der das passiert… so blöd wie ich, ist doch keine“, dieser Satz fällt immer wieder in persönlichen Beratungsgesprächen. Um diesem Gefühl entgegen zu wirken und begleitend zu unterstützen wurde eine Selbsthilfegruppe Stalking neu ins Leben gerufen.

Das Ziel der angeleiteten Selbsthilfegruppe ist, dass die Teilnehmerinnen sich verstanden und geborgen fühlen, ihre Gefühle wie Angst und Scham mit anderen teilen können und dass sich dadurch ihre Lebensqualität erhöht. Durch die Erkenntnis, „ich bin nicht allein und ich werde verstanden“, gelingt es Schritte gegen den Stalker einzuleiten und den Alltag wieder lebenswert zu gestalten.

 


Die Thematik Stalking  wird in der Öffentlichkeit zunehmend bekannter, so dass nun auch vermehrt betroffene Personen Kontakt zu via – Wege aus der Gewalt aufnehmen und es wagen, aus dem Kreislauf der Isolation auszubrechen.

In der Vergangenheit wurde Stalking stark tabuisiert, zudem fühlten sich viele betroffene Frauen mit dieser Thematik der psychischen Gewalt nicht ernst genommen, da gezielte Hilfe nur schwer realisierbar war.In den letzten Jahren wurden auch Prominente Opfer von Nachstellungen; die Problematik des Stalkings wurde dadurch einem größeren Personenkreis zugänglich.

Der englische Begriff „to stalk“ kommt ursprünglich aus der „Jägersprache“ und meint das Sich – Anpirschen an das Wild. Die Definition von Stalking beinhaltet das wiederholte unerwünschte Kontaktieren und Verfolgen einer Person. Die häufigsten Stalking – Handlungen stellen das Auflauern vor der Wohnung und der Telefon – Terror dar. Das mittlerweile unter Strafe gestellte Verhalten besteht in dem unbefugten Nachstellen durch beharrliche Annäherung an das Opfer und in der Bedrohung.

In empirischen Studien der TU Darmstadt wurde deutlich, dass die Opfer am häufigsten über Anrufe bei Tag und Nacht sowie über bedrohliche Nachrichten per Brief und SMS berichteten. Die Stalking – Handlungen umfassen das Zustellen unerwünschter Geschenke ebenso wie das Verfolgen, Ausspionieren und Verleumden bei Nachbarn, Freunden oder Behörden. Der Stalker versucht beispielsweise Zugang zu Emails zu gewinnen, schaltet unrichtige Anzeigen in Zeitungen und bestellt Dinge unter falschem Namen.

Die Straftaten im Bereich Stalking beinhalten Einbruch, Körperverletzung, Vergewaltigung und Tötungsdelikte.

Es ist somit erkennbar, dass der Stalker unterschiedliche Gewaltformen anwendet, die in Beratungsgesprächen mit den Gewaltopfern individuell analysiert und bearbeitet werden müssen. Die Bedrohung durch den Gewalttäter kann sowohl physische als auch sexualisierte Komponenten implizieren.


Bei der Erstellung eines Täterprofils hat sich gezeigt, dass eine emotionale und gedankliche Fixierung auf das Opfer stattfindet. Der Täter leidet an massiver Realitätsverzerrung und interpretiert die Ablehnung des Opfers in seinem Sinne, indem er etwa annimmt, dass die Frau noch nichts von der Bestimmung füreinander wisse. Eine Ablehnung seines Bedürfnisses nach Nähe kann der Stalker nicht akzeptieren, er zeigt einen kindlichen und unreifen Charakter. Aussagen von Stalkern gegenüber ihren Opfern lauten beispielsweise „ich weiß alles über Dich“, „Deine Tage sind gezählt“, „ich werde Deinen Widerstand schon noch brechen“ oder „ohne Dich kann ich nicht leben“.

Am häufigsten tritt Stalking nach dem Ende einer intimen Beziehung auf. Klientinnen der Anlaufstelle via wurden beispielsweise zwei Jahre nach der Trennung vom Ex-Partner noch immer verfolgt oder belästigt. Oftmals muss auch in der Krisensituation für gemeinsame Kinder gesorgt werden. Im Rahmen der Umgangsregelung erfolgen zunehmend Bedrohungen, Kontrolle sowie gewalttätige Übergriffe.

Stalking bildet in vielen Fällen eine Fortsetzung der häuslichen Gewalt, d.h. dass bereits während der Beziehung ein Machtgefälle vorhanden war und eine Isolation des Gewaltopfers stattfand. Der Stalker kann allerdings auch ein Bekannter oder Nachbar sein, in diesen Fällen besteht im Vorfeld der Übergriffe keine enge Bindung.

Durch Stalking kommt es zu einer ständigen Präsenz des Verfolgers im Alltag der Klientinnen. Die Belästigungen finden in der Regel zu Hause statt, aber auch am Arbeitsplatz, auf der Straße und bei Freizeitbeschäftigungen.

Es kommt zur Isolation, da das Opfer Plätze und Menschen meidet, die der Täter kennt. Die Frauen empfinden zunehmend Sorge, Angst und Panik, ferner wird der Stalker als allmächtig wahrgenommen. Gesundheitliche Einschränkungen wie Schlafstörungen, Depressionen sowie psychosomatische Störungen sind Folge-erscheinungen von Stalking, d.h. es findet eine massive Traumatisierung der Opfer statt.

 


Die Abklärung der Gefährdung und die Risikoeinschätzung bilden zusammen einen Schwerpunkt der Beratungsgespräche im Bereich Stalking. Die Unterstützung umfasst Ressourcenarbeit sowie Empowerment, die Klientinnen werden somit schrittweise stabilisiert und gestärkt.

Ziel der Beratungstätigkeit ist der Umgang mit dem Thema Kontrollverlust, dies beinhaltet den Aufbau des Selbstwertes, des Weiteren das Erleben von Selbstbestimmung im Beratungsprozess.

Die Beratung im Bereich Stalking erfolgt individuell, es wird einzelfallbezogen eine Gefährdungsprognose erstellt und es werden detailliert Verhaltensweisen im Umgang mit dem Stalker erarbeitet. Zudem werden Verhaltensempfehlungen der Polizei weitergegeben sowie Informationen über allgemeingültige Strategien, die in der Beratungspraxis entwickelt wurden.

Mit dem Gewaltschutzgesetz wurden bereits erste Verbesserungen für diese Gewaltopfer erreicht. Es besteht nun die Möglichkeit, zivilrechtliche Schutzanordnungen gegen den Stalker zu erwirken. Die Anordnungen können beispielsweise aus den Verboten bestehen, sich dem Wohnraum oder dem Arbeitsplatz des Opfers zu nähern.

Verstößt der Täter gegen diese Verbote, so macht er sich strafbar. Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr können dann als Sanktionen durch das Gericht verhängt werden.