Sexualisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt ist durch ein Machtgefälle gekennzeichnet und wird deshalb von den Gewaltopfern als  besonders undurchsichtig und nachhaltig verletzend erlebt. Der Begriff „sexuelles Trauma“ umfasst Akutreaktionen wie Gedächtnisstörungen und Konzentrationsschwächen, psychosomatische Beschwerden sowie Folgeerkrankungen wie Sucht und Essstörungen. Verdrängung und Vergessen der gewalttätigen Übergriffe stellt eine natürliche Schutzreaktion dar.

Häufig besteht in der Beratung eine Hemmnis, Gewalterlebnisse durch Sprache auszudrücken. Sexualtäter verlangen unter anderem von den Gewaltopfern zu schweigen, damit diese überleben – die Aufarbeitung der Traumata beinhaltet in diesen Fällen das Durchbrechen des Versprechens.

In der ressourcenorientierten Unterstützung werden durch Körper- und Atemarbeit Wahrnehmungen geschult und somit Selbstheilungskräfte aktiviert. Gefühle wie Angst, Wut und Orientierungslosigkeit werden schrittweise bearbeitet. Außerdem werden im Beratungsprozess kreative Methoden eingesetzt, wie beispielsweise künstlerische Tätigkeiten und Gedichte schreiben. Ziel der Begleitung durch die Anlaufstelle ist die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und gegebenenfalls der Aufbau eines sozialen Netzes.

Die Vielschichtigkeit des Hilfebedarfs im Bereich Sexualisierte Gewalt und die individuelle Notwendigkeit an Unterstützung bei der Aufarbeitung der Gewalterfahrungen beeinflusst die Notwendigkeit an interdisziplinärer Zusammenarbeit. via – Wege aus der Gewalt ist mit den Fachstellen des Gesundheitswesens vernetzt und vermittelt bedarfsgerechte Therapieangebote.


In der Beratung zur Thematik der sexualisierten Gewalt ist eine besonders sensible Vorgehensweise notwendig – in diesem Bereich finden zudem viele anonyme Anrufe sowie persönliche Beratungen statt. Anonymität wird bei via gewährleistet, da Scham- und Schuldgefühle im Regelfall Rückzug implizieren und somit Schwellenängste auslösen können.

Die Zeit der akuten Krise dauert etwa sechs Wochen an, erst im Anschluss sind Entscheidungsfindungen und gegebenenfalls gerichtliche Schritte möglich.

Insbesondere wird Unterstützung für Frauen angeboten, die innerfamiliäre Gewalt und sexuelle Nötigung erlebt haben sowie für Frauen, die in der Öffentlichkeit durch sexuelle Übergriffe bedroht wurden.

In der gewaltspezifischen Beratung zeigt sich vielfach, dass unterschiedliche Formen der Gewalt einander überlagern. Es finden sowohl  Verletzungen der körperlichen und seelischen Integrität als auch Verletzungen aufgrund einer vorhandenen geschlechtlichen Beziehung statt. Vergewaltigung in der Ehe ist der sexualisierte Ausdruck von Aggressivität, Macht und Gewalt. Die Selbstbestimmung der verheirateten Frau wurde rechtlich verankert, bereits seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar.